GESCHICHTE DER SANKT-MAURITIUS-KIRCHE

Geschichte und Baugeschichte


Die Gründung der Pfarrkirche St. Mauritius geht auf das Jahr 1135 zurück, als der Kölner Bürger Hermann de Scipionia und seine Frau Ida die Kirche St. Mauritius stifteten. Hermann de Scipionia, genannt von Stave, auch als "de novo foro" (vom Neumarkt) bezeichnet, war ein reicher Bürger Kölns, der für die wachsende Stadt eine weitere Kirche bauen wollte. Als Bauplatz wählte er dazu eine Stelle unmittelbar vor dem südlichen der drei Westtore der römischen Stadtmauer, an der Ausfallstraße nach Trier, wo eine neue Pfarrei gebildet worden war. Nach einer Bauzeit von sechs Jahren ist die Kirche 1141 von Erzbischof Arnold I. (1138-1151) geweiht worden.
Diese Mauritiuskirche war eine Gewölbebasilika, dreischiffig, querschifflos, mit drei Jochen, der Westbau mit einer Nonnenempore, über der sich der quadratische Hauptturm der Kirche erhob. Die äußere Gestalt lehnte sich direkt an die Treppentüre des Westwerkes von St. Pantaleon an. St. Mauritius war vermutlich als erster Kirchenbau von Anfang an vollständig eingewölbt.
Der Grund und Boden gehörte der Benediktinerabtei St. Pantaleon, deren Abt das Patronat über Pfarre und Konvent (inkl. der Nonnenempore im Westbau) ausübte. Bereits 1141 kam es zwischen der Abtei und dem Stifter Hermann von Stave zum Streit über die Besitzrechte an Grund und Boden. Erzbischof Arnold I. bestimmte die Kirche zur Pfarrkirche und unterstellte sie der Abtei, gliederte ihr aber zugleich im Sinne des Stifters ein Benediktinerinnenkloster an. Die Nonnen holte er von Rolandswerth nach St. Mauritius. 
Das Vogteirecht nahm interessanterweise das Kölner Schöffenkolleg wahr. Das Vogteirecht stellt die Rechtsvertretung des Klosters und des Stifters dar, man könnte es mit den Aufgaben eines heutigen Kirchenvorstands vergleichen. 
1328 ordnete Papst Johannes XXII. auf Veranlassung des Abtes Theoderich die Inkorporation der Pfarrei in die Abtei an, die 1346 vollzogen wurde. 
Bekannte Äbtissinnen des Klosters waren u.a. Sophia von Stommel (1412-1449), die sich um die Wirschaft des Klosters verdient machte und einen neuen Krenzaltar stiftete, und Helena von Lülsdorf (1464-1497), die das Kloster 1488 der Bursfelder Kongregation anschloß, einer Reformrichtung.
In der Amtszeit des Pfarrers Benedikt von Keffel (1530-38) wurde die Kirche durch eine Kapelle auf der Südseite erweitert, vierjochig und rippengewölbt. Die Fenster der Apsiden wurden in spätgotischer Zeit erweitert. Pfarrer Ägidius Romanus (1641-46) stiftete auf der Nordseite eine flachgedeckte Kapelle und die Sakristei.



Im 18. Jh. wurde die Ausstattung der Kirche barockisiert. 1752 wurde ein neuer Hochaltar errichtet. 1770-78 erhielt das Kloster einen Anbau, der bis heute erhalten geblieben und unter dem Namen "Wolkenburg" stadtbekannt ist. 1802 wurde das Benediktinerinnenkloster säkularisiert, die Abtei St. Pantaleon und damit auch die Benediktinerinnengemeinschaft an St. Mauritius aufgehoben. Alle Baulichkeiten wurden versteigert, sämtliche Pfarrgüter eingezogen. Somit wurde dem Konvent die finanzielle Grundlage für den Unterhalt der Kirchengebäude entzogen. Der westliche Teil der Kirche, der ehemalige Nonnenbereich, wurde 1807 versteigert, war in private Hände gekommen und diente gewerblichen Zwecken. Da sich die Einwohnerzahl der Pfarrei stark vergrößert hatte, wurde die Kirche selbst zur Pfarrkirche. Die finanzielle Misere zeigte drastische Folgen: die romanische Kirche musste 1830 aufgrund gravierender Bauschäden geschlossen und bis auf den Unterbau abgebrochen werden.

Und wieder stiftete ein Kölner Bürger den Neubau:
Unter der Bedingung, daß Baumeister Vincenz von Statz (der bis zu seinem Tod 1889 136 Kirchen und Kapellen gebaut hat) die Pläne ausführte und die Bauleitung erhielt, stiftete der Kommerzienrat Franz Heinrich Nikolaus Franck im Januar 1856 80.000 Taler. In die Verhandlungen griff sogar König Friedrich Wilhelm IV (1795-1861), der als Kronprinz einer Taufe in der romanischen Mauritiuskirche beiwohnte und gegen den Abbruch war, ein. Erst nach seinem Abdanken 1858 war der Weg zum völligen Abriss der Ruine und zum Neubau frei.
Die Grundsteinlegung erfolgt am 16. Mai 1861, die feierliche Einweihung der repräsentativen neugotischen Kirche fand am 8. Juni 1865 statt, die Vollendung des Turmes jedoch erst am 28. November 1866. Auf dem Turm steht eine 10 dt. Fuß (etwa 3,50m) hohe Figur des heiligen Mauritius, die von dem Bildhauer Fuchs nach einer Zeichnung von Steiner ausgeführt wurde. 
Nach den Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg blieb nur der Turm, die unteren Partien des Langhauses sowie der Chorbereich erhalten. Diese Teile wurden in einer einzigarten Weise von dem Architekten Fritz Schaller in den zeitlosen Neubau integriert.

Hier ein paar Bilder der neuen Mauritiuskirche

Mauritius Statue

Diese turmbekrönende Statue ist über 3m groß und wurde mit einem 500mm Spiegeltele-Objektiv aus etwa 300m Entfernung von Osten aus fotografiert.

 

Der gotische Turm

Vormittags aus dem Innenhof heraus aufgenommen sind deutlich die Ansätze des ursprünglichen hochgotischen Kirchenschiffs zu erkennen.

 

Der Innenhof

Hier stand ursprünglich des Langschiff; anstelle der Wand, die seit dem Wiederaufbau den Kirchenraum begrenzt, begann früher der Chorbereich.

 

Oktagon von oben

Der heutige Chorbereich in der Ostapsis wird von einem Oktagon gekrönt.

Für die ganz Aufmerksamen: das Bild ist Anfang der 80er Jahre, direkt nach der großen Dachrenovierung, entstanden.

 

Blick auf die Kirche von Osten

Im Vordergrund die verkehrsberuhigte, ehemalige Kreuzung Mauritiussteinweg/Jahnstr./Bobstr.

 



Kirche von innen

Blick von der Orgelbühne auf den Altar. Bei entsprechenden Lichtverhältnissen (insbesonders morgens und abends) ist der gesamte Kirchenraum in fast überirdisches Licht getaucht.